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Die Stephanuskirche
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Die Stephanuskirche wurde von zwei bekannten Architekten des zeitgenössischen protestantischen Kirchenbaus zwischen 1965 und 1968 gebaut: Lothar Willius und Prof. Rolf Romero.
Betrachten wir den Grundriss der Stephanuskirche, so sehen wir, wie sich in ihm sowohl die Vision des Johannes in der Offenbarung als auch die Gemeindekirche als Bild vom Leib Christi im Bauwerk wiederfinden.
Grundlage des Kirchenensembles sind zwei Quadrate: das der Kirche und das des Vorplatzes. Um die beiden Quadrate gruppieren sich die Gemeindebauten mit dem Kindergarten, der Verwaltung, der Bücherei, dem Gemeindesaal und den Wohnungen für Pfarrer und Küster. Moderne Arkaden umrahmen den Vorplatz. Er wird dadurch vergleichbar mit einem Kreuzgang oder einem Paradies, beides Orte der Sammlung und der Versammlung vor dem Gottesdienst. Der bedachte Wandelgang gliedert zudem den kubischen Aufriss der Kirche und nimmt diesem seine Höhe.
Die Kirche selbst war in ihren Maßen so geplant, dass sie die vollkommenen Verhältnisse widerspiegeln sollte: Ein Kubus mit gleicher Länge, Breite und Höhe. Realisiert wurde dann allerdings nur das Grundmaß 1:1. Die Höhe wurde reduziert, den menschlichen Verhältnissen angepasst.
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Der Aufriss wird mit regelmäßigen Fensterquadraten durchbrochen, die einen Lichtraum entstehen lassen. Beide Hauptaspekte des gotischen Kirchenbaus - die Zahl und das Licht - sind in die Architektur übernommen worden. Für die Durchbrechung der Fassade war Eiermann mit seiner Fassadengestaltung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zeitgenössisches Vorbild.
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Die ursprüngliche Fensterverglasung nahm nach zwanzig Jahren eine gelbliche Verfärbung an. Man beauftragte deshalb den Wiesbadener Glaskünstler Karl-Martin Hartmann mit den Entwürfen für eine neue Verglasung. Als Hartmann den nahezu kubischen Raum der Stephanuskirche sah, beschloss er, für die Verglasung das Motiv der Tore aus der Offenbarung des Johannes zu wählen.
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Hartmann benutzt die Schilderung des Johannes, um Zeichen zu setzen und über die Dinge nachzudenken. Da sie für ihn - wie für andere vor ihm - eine Bauanleitung ist, entwickelte er Module, d.h. sich stets wiederholende, quadratische 1:1 Formen, die sich aus der Rasterung, die Willius und Romero vorgaben, ableiten lassen.
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Diese Module bestehen aus einem Quadrat mit einem eingeschriebenen Kreis. Das Quadrat bedeutet für ihn die irdische Kirche, der Kreis das Kosmische, das Himmlische Jerusalem. Wenn beide verschmelzen, so sind sie Zeichen für das Herabschweben der unsichtbaren Kirche, dem Sich-Verbinden mit der irdischen Kirche.
Die Verglasung besteht aus vier roten Eckpfeilern. Sie weisen kein Modul auf. Zu sehen ist weiterhin eine violette Verglasung mit einfacher Rasterung, Sinnbild für die Liturgie der irdischen Kirchen. Zu zählen sind zwölf orange Stelentore.
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Dann die Farben: Vier rote Stelen als Rahmung des nach allen Seiten offenen Raums und zwölf orange Stelen. Beides warme Farben: Farben des Lichtes. Sie weisen auf Gott hin und charakterisieren dessen Wärme. Sie deuten aber auch auf die goldenen Tore der Vision. Hartmann will durch die Farbe zwar nicht auf die Edelsteine hinweisen, die mit einer bestimmten Bedeutung verbunden sind. Vielmehr soll die Kleinteiligkeit  der Fenster auf Kostbarkeit hinweisen. Der Küstler benutzt mit Absicht wenig blau, denn blau filtert das Licht und suggeriert zudem Kälte.
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Die Verglasung hat demnach durch Farbe, Höhe und Breite eine unteschiedliche Bedeutung: Rot für diesen Raum einfassende Säulen, Violett zur Akzentuierung der feierlichen Liturgie, Orange für die Kostbarkeit der Himmelstore.
Hartmann setzt mit seinen Glasfenstern auf eine kreative Betrachtung. Er fordert zum Sehen, Innehalten, Sichvertiefen auf. Dabei darf jeder seine eigenen Vorstellungen entwickeln. Er reagiert damit auf unsere heutige Zeit des Sight-Seeings, einer Zeit, in der man Kirchenräume, ihre technischen und geschichtlichen Daten und die Wiederholung bereits wiederholter Bilder konsumiert. Der Besucher soll reflektieren. Für Hartmann sind Kunst und Religion komplementär: beide versuchen zu erklären.
Wenn Sie also am Gottesdienst teilnehmen, so sind Sie, wie die Menschen in frühchristlichen Kirchen des 4. Jahrhunderts, den gotischen und palastartigen barocken Kirchen in den Himmel getreten.
So wie Sie in den Kirchen der Vergangenheit das von Theologen und Künstlern entwickelte Himmlische Jerusalem mit allen Sinnen wahrnehmen können, so möchte Ihre Kirche Ihnen das Gefühl von Wärme, Klarheit und Ordnung vermitteln. Es ist das Gerüst für Ihre individuelle Himmelsvorstellung, es ist eine auf das Wesentliche reduzierte Himmelsvorstellung des aufgeklärten Menschen. Der Raum, den die Fenster umschließen, wird zu einem Ort der Stille und der inneren Sammlung. Er will das Gefühl hervorrufen: "Hier ist gut sein."
Dennoch, eine Kirche und ein Kirchenraum lebt über die Zeit hinweg im Dialog mit der Gemeinde. Und er unterliegt - wie man an historischen Kirchen und ihrer Innenausstattung sieht - einer Wandlung. Dies wissend, erklärte Romero, dass auch die Stephanuskirche auf Wandlung angelegt wurde. Der Bau darf sich aus Sicht des Architekten verändern.
Evangelische Stephanus-Gemeinde Kelkheim - 2. Januar 2004
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